Berufsdermatosen: Wenn die Arbeit der Haut schadet

Hauterkrankungen bei Erwerbstätigen gehören zu den häufigsten Meldungen bei der gesetzlichen Unfallversicherung. Darüber hinaus treten zudem berufsbedingte Hautkrebserkrankungen aufgrund von erhöhter UV-Strahlung auf. In 90 Prozent aller Berufsdermatosen handelt es sich um Ekzeme, die in bestimmten Berufsgruppen auftreten. Laut der Verordnung für Berufskrankheiten gehören diese zu offiziell anerkannten Berufskrankheiten. Dies trifft vor allem für wiederholt auftretende Beschwerden zu, die eine ordnungsgemäße Ausübung der Tätigkeit verhindern.

Berufsbedingte Hautkrankheiten

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) teilt berufsbedingte Hauterkrankungen in verschiedene Kategorien ein. Exogene Ekzeme werden durch äußere Reize verursacht. Es treten toxische oder allergische Kontaktekzeme auf. Zudem gibt es Erkrankungen, die durch innere Einflüsse (endogene Ekzeme) entstehen. Ärzte sprechen hierbei von atopischen Ekzemen. Die DGUV definiert zudem Mischformen, die neben äußeren und inneren Einflüssen auch mikrobiell bedingt sind.

Berufsdermatosen - Hauterkrankungen

Berufsdermatosen äußern sich vor allem durch Ekzeme, Schuppungen, Bläschen, Rötungen und allergischen Reaktionen. Foto: 121doc.com

Toxisches Kontaktekzem

Die akute Form dieser Berufsdermatose tritt durch kurzeitigen Kontakt mit einer sehr toxischen Substanz auf. Erkennbar ist dieses Kontaktekzem durch deutlich abgegrenzte Hautveränderungen. Die ärztliche Diagnose dieser wird insofern vereinfacht, als dass der Patient die auslösende Substanz
meist direkt benennen kann.

Im Gegensatz dazu entwickelt sich das chronische toxische Kontaktekzem über einen längeren Zeitraum hinweg. Bei 40 Prozent aller Berufsdermatosen handelt es sich um diese, oftmals verkannte Erkrankung. Auslöser sind chronische Hautreizungen, welche die äußeren Hautpartien langfristig schädigen und zu lokalen Entzündungen führen.

Allergisches Kontaktekzem

Allergische Reaktionen sind durch Knötchen, Bläschen, Rötungen, Krustenbildung oder Schwellungen erkennbar. Ursache hierfür sind bestimmte Allergene. Hierbei kann es sich um einzelne Bestandteile einer Substanz handeln. Sobald Allergene mit dem Betroffenen in Kontakt kommen, reagiert das Immunsystem mit entzündlichen Reaktionen, die beispielsweise über die Haut sichtbar werden.

Allergische Kontaktekzeme werden oftmals erst nach circa 24 Stunden sichtbar und erreichen nach 48 Stunden einen Höhepunkt. Auch ist es vereinzelt möglich, dass das Ekzem viele Wochen später auftritt. Charakteristisch für das allergische Kontaktekzem ist, dass es sich über den gesamten Körper streuen kann.

Atopisches Ekzem

Das endogene Ekzem ist unter dem Begriff Neurodermitis bekannt. Es handelt sich hierbei um eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haut beziehungsweise der Schleimhäute gegenüber bestimmten Allergenen. Circa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung weist diese Diagnose auf.

Das atopische Ekzem ist in Handinnenflächen, an Fingerseitenkanten beziehungsweise am Handrücken erkennbar. Neben Schuppenflechten tritt starker Juckreiz auf und es bilden sich vereinzelt
Bläschen. Aufgrund der anlagebedingten Entstehung wird das atopische Ekzem nur dann als Berufsdermatose anerkannt, wenn es durch hautbelastende Arbeiten schrittweise entstand. Erkennbar ist hier eine sukzessive Entwicklung beginnend beim Abnutzungsekzem bis hin zum allergischen Kontaktekzem.

Mischformen

Die in der Praxis diagnostizierten Berufsdermatosen können oftmals nicht eindeutig den oberen Kategorien zugeordnet werden. Einerseits existieren Überschneidungen. Andererseits verstärken exogene Faktoren wie beispielsweise anhaltende Feuchtigkeit einen mikrobiellen Befall des Ekzemherdes. Auch innere Faktoren wie trockene Haut, vermehrte Schweißabgabe oder Atopien begünstigen die Entstehung von Mischformen.

Reizende Substanzen lösen Hauterkrankungen aus

Hautreizungen entstehen durch Allergene oder chemische Substanzen. Unabhängig von ihrem Aggregatzustand (fest, flüssig, staubig) führen diese zu Kontaktbeschwerden. Zudem kann das Risiko durch regelmäßiges Tragen spezieller Gummihandschuhe das Risiko für Berufsdermatosen erhöhen, da die Haut regelmäßig einem feuchten, luftarmen Ambiente ausgesetzt ist. Folglich häufen sich
Bakterien häufiger an und Hautreizungen entstehen. Vereinzelt verursachen zudem spezielle Gewürze und Lebensmittel allergische Hautreaktionen.

Typische Reizstoffe reizen die Atemwege und offene Hautpartien:

  • chemische Dämpfe
  • Betonstaub
  • Getreidestäube
  • Holzstaub
  • Mehl
  • Metallstäube
  • Pflanzenpollen
  • Zementstaub

Besondere Vorsicht ist bei bestimmten Flüssigkeiten geboten:

  • Beizen
  • Desinfektionsmittel
  • Entwicklerlösungen (Fotografen)
  • Farben
  • Fotochemikalien
  • Chemikalien und Färbemitteln des Friseurs
  • Gerbstoffe
  • Holzschutzmittel
  • Klebstoffe
  • Lacke
  • Lösungsmittel
  • Pflanzenschutzmittel
  • Reinigungsmittel

Darüber hinaus warnen Experten vor möglichen Hautkrebserkrankungen aufgrund von UV-Strahlung. Jährlich melden Arbeitgeber in Deutschland zwischen 5.000 und 7.000 Fälle von beruflich bedingtem Hautkrebs.

Typische Hautkrankheiten bestimmter Berufsgruppen

Durch den regelmäßigen Kontakt mit oben aufgeführten Substanzen sind beispielsweise folgende Berufsgruppen häufig von Dermatosen betroffen:

  • Friseure
  • Floristen
  • Fotolaboranten
  • Gärtner
  • Galvaniseure
  • Heil- und Pflegeberufe, Mediziner
  • Landwirtschaft
  • Reinigungsdienste
  • Textilindustrie, Lederverarbeitung

Darüber hinaus sind auch jene Professionen von Dermatosen betroffen, bei denen hoher Wert auf ein perfektes äußeres Erscheinungsbild gelegt wird. Aufgrund von gehäuftem Einsatz von Kosmetik
treten Hauterkrankungen oft bei Verkäuferinnen, Flugbegleiterinnen, im Hotel- und
Gastronomiegewerbe auf – Mediziner sprechen von der Stewardessen-Krankheit.

Berufsdermatosen aktiv vorbeugen und ärztlich behandeln

Um die Heilungschancen zu erhöhen, ist das frühzeitige Erkennen von Hautveränderungen wichtig. Bei folgenden Symptomen ist die Konsultation eines Hautarztes empfehlenswert:

  • Juckreiz
  • Risse
  • Rötung
  • Schuppung

Der Bundesverband der Unfallkassen empfiehlt nach einer Behandlung, eine hautbelastende Tätigkeit für mehrere nachfolgende Wochen zu unterlassen. Hierzu zählen vor allem Feuchtarbeiten. Sollte schließlich die Aktivität, welche das
Ekzem verursachte, erneut aufgenommen werden, ist auch einen fachgerechten Hautschutz zu achten. Zudem ist eine regelmäßige Hautpflege vor und nach dem beruflichen Arbeitstag empfehlenswert.

Letzteres gilt grundsätzlich für alle
Berufe, bei denen Berufsdermatosen gehäuft auftreten. Zur Prävention von Hautkrebs ist es zudem wichtig, den UV-Schutz am Arbeitsplatz zu erhöhen. Sollte das Tragen eines Helms nicht verpflichtend sein, ist die regelmäßige Verwendung eines Kopfschutzes mit breiter Krempe angezeigt. Zudem ist der Hals-, Nacken- und Ohrenbereich adäquat zu schützen.

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