Hyaluronsäure – Wirkung und Einsatz in der Medizin und Kosmetikindustrie

Hyaluronsäure beschreibt eine zu den sauren Polysacchariden gezählte Substanz, die im Zellgewebe von Wirbeltieren nachgewiesen werden kann. Sie wird vom Körper selbst gebildet und erfüllt beim Menschen in mehreren Organen unterschiedliche Funktionen. Die aus Zuckermolekülketten aufgebaute Substanz ist ein wesentlicher Baustein des Bindegewebes, der Gelenkflüssigkeit und der Gallertkerne im Inneren der Bandscheiben. Mit zunehmendem Alter des Menschen nimmt die Fähigkeit der Zellen, Hyaluronsäure zu produzieren, naturgemäß ab.

Durch ihre vielfältigen chemischen Eigenschaften, die am Erhalt verschiedener Körperfunktionen maßgeblich beteiligt sind, kommt aus tierischem Material synthetisierte oder biotechnologisch hergestellte Hyaluronsäure in verschiedenen medizinischen Bereichen und Therapieverfahren zum Einsatz. Den meisten Menschen ist Hyaluronsäure als Anti-Aging-Wunderwaffe gegen Falten und schlaffe Haut bekannt. Die aus der Hyaluronsäure gewonnenen Natriumsalze, die auch unter dem Begriff Sodium Hyaluronate bekannt sind, bilden nicht nur die Basis verschiedener Präparate, die in der Schönheitsmedizin Verwendung finden, sondern auch unzähliger Arzneistoffe gegen altersbedingte degenerative Erkrankungen.

Aufgaben natürlicher Hyaluronsäure im menschlichen Organismus

Die wichtigste Funktion dieses Polysaccharids ist das Speichern von Wasser im Gewebe. Hyaluronsäure kann im Verhältnis zu ihrem Eigengewicht hohe Mengen an Wasser binden. In Körpergewebe, in dem Hyaluronsäure enthalten ist, können pro Gramm rund sechs Liter Wasser gespeichert werden. Hyaluronsäurehaltiges Zellgewebe ist dadurch äußerst druckbeständig, da Wasser nur geringfügig komprimierbar ist. Die Bandscheiben, deren aus Gallertmasse aufgebauter Nucleus pulposus hohe Mengen an Hyaluronsäure aufweist, sind aus diesem Grund in der Lage, einen beträchtlichen Anteil des Körpergewichtes zu tragen.

Als wichtigster Bestandteil der Gelenksflüssigkeit sorgt die Hyaluronsäure dafür, dass die Gelenke beweglich bleiben und Reibung zwischen einzelnen Knochen und Knorpeln verhindert wird. Auch in den Zellzwischenräumen wirkt Hyaluronsäure durch die erhöhte Wasseraufnahme als Schmiermittel, um eine Migration der Zellen zu unterstützen. Wesentlichen Einfluss nimmt die Substanz auch auf eine intakte Zellteilung, die vor allem in der Embryonalentwicklung von größter Bedeutung ist. Im Gehirn des Menschen ist sie am Erhalt der mentalen Leistungsfähigkeit beteiligt, da sie für den Aufbau von Zellen der Nervenfasern benötigt wird. Im Glaskörper des Auges sorgt die Hyaluronsäure dafür, dass die Linse ausreichend befeuchtet wird. Auch in der Lederhaut befindet sich die Substanz, um die Zellen zusammenzuhalten und als wasserspeicherndes Füllmaterial zu fungieren.

Altersbedingter Verlust und seine Folgen

Bereits im dritten Lebensjahrzehnt eines Menschen nimmt die körpereigene Produktion von Hyaluronsäure kontinuierlich ab. Im Alter von sechzig Jahren können im Bindegewebe eines Menschen nur mehr rund zehn Prozent jener Konzentration nachgewiesen werden, die sich bei Kindern und Jugendlichen findet. Die Zellen speichern weniger Wasser, die Abnahme des Schmiermittels in den Zwischenräumen beeinträchtigt die Teilung und Wanderung der Zellen. Dies erklärt, warum Gelenksbeschwerden wie Arthrose und Trockenheit der Augen weitverbreitete Alterserscheinungen sind. Da die Konzentration der Hyaluronsäure auch im Nucleus pulposus allmählich abnimmt, steigt mit fortschreitendem Lebensalter das Risiko für Bandscheibenvorfälle.

Um einen ursächlich an der Entstehung von Erkrankungen beteiligten Mangel der Substanz auszugleichen, stehen in der Schulmedizin verschiedene Behandlungsansätze mit Arzneistoffen auf Basis synthetisch hergestellter Hyaluronsäure zur Verfügung. Auch die Schönheitsmedizin und Kosmetikindustrie entwickeln ständig neue Präparate mit Hyaluronsäure, um die Straffheit der Haut zu erhalten und Faltenbildung entgegenzuwirken.

Herstellung und Verwendung von medizinischen Hyaluronsäurepräparaten

Die Hyaluronsäure wurde im Jahr 1934 erstmals isoliert und ist seit den frühen Achtzigerjahren als Wirkstoff zugelassen. Synthetische Hyaluronsäure kann aus tierischen Materialien oder fermentativ aus Bakterienkulturen gewonnen werden. Vor allem Hahnenkämme, Hühnerknochen und Streptokokken dienen als Ausgangsmaterialien. Letztere Quelle bietet den Vorteil, dass die daraus hergestellten Präparate keine allergischen Reaktionen auslösen können, da Bakterien keine tierischen Proteine enthalten.

Arzneistoffe auf Basis von Hyaluronsäure kommen vor allem in der Behandlung von degenerativen Gelenkserkrankungen zum Einsatz. Wenn es im Rahmen einer Arthrose zu einer Abnutzung und in weiterer Folge zu einem Abbau von Knorpelmasse kommt, leiden die Betroffenen unter erheblichen Schmerzen und Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit. Eine Hyaluronsäure-Therapie in Form von Injektionen in das betroffene Gewebe hat eine erhöhte Zufuhr von Gelenksflüssigkeit zur Folge. Dies verbessert vor allem in Anfangsstadium einer Arthrose vorübergehend die Beweglichkeit und kann bei fortgeschrittener Erkrankung die Wartezeit bis zur Operation für die Patienten erheblich erleichtern.

Da die injizierte Hyaluronsäure vom Organismus innerhalb weniger Tage bis Wochen vollständig abgebaut wird und Entzündungsreaktionen in den Gelenken verursachen kann, gilt diese Art der Arthrose-Therapie unter Medizinern als äußerst umstritten und wird von Krankenkassen in der Regel nicht bezahlt.

Vielfältigen Einsatz findet synthetische Hyaluronsäure in medizinischen Sprays und Tabletten, um bei Erkältungsbeschwerden eine Befeuchtung der Nase und der Schleimhaut des Mund- und Rachenraums zu bewirken. Auch in Augentropfen sowie Aufbewahrungs- und Reinigungslösungen für Kontaktlinsen entfaltet die Substanz ihre feuchtigkeitsbindende Wirkung, um bei langem Tragen Augentrockenheit vorzubeugen.

Bei Augenoperationen hat sich der Einsatz von Lösungen mit Sodium Hyaluronate erfolgreich bewährt, um den empfindlichen Glaskörper und die obersten Zellschichten der Hornhaut während des chirurgischen Eingriffs zu schützen.

Hyaluronsäure in Hautpflegeprodukten

Äußerlich zeigt sich der Rückgang der Konzentration des Wasser speichernden Polysaccharids im Gewebe am deutlichsten durch die altersbedingte Faltenbildung. Mit der Abnahme des Gehaltes an Hyaluronsäure verliert die Haut zunehmend ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern. Gleichzeitig bedingt dieser Prozess, dass die Hautzellen immer weniger Kollagen produzieren. Die Folge ist ein Volumenverlust der Lederhaut, der sich in zunehmend schlafferen Gesichtskonturen und Faltenbildung manifestiert. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, stellt die Kosmetikindustrie glättende Anti-Aging-Cremes her, denen geringe Mengen an Sodium Hyaluronate zugesetzt werden.

Eine regelmäßige Anwendung solcher Pflegeprodukte soll das Vermögen der Haut, Feuchtigkeit zu speichern, erhöhen und gleichzeitig die körpereigene Produktion neuer Kollagenfasern anregen. Damit solche Kosmetika die gewünschte Wirkung zeigen, müssen die zugesetzten Partikel eine möglichst geringe molekulare Größe aufweisen, um von den Hautzellen aufgenommen werden zu können. Auch in zertifizierter Naturkosmetik kann Hyaluronsäure enthalten sein. Allerdings sind für solche Pflegeprodukte ausschließlich Substanzen zugelassen, die aus biotechnologischer Synthese von Bakterienkulturen stammen.

Medizinische Schönheitsbehandlungen mit Hyaluronsäure

In der Schönheitschirurgie werden Eingriffe mit Hyaluronsäure seit Jahrzehnten erfolgreich durchgeführt. Um einen möglichst langfristigen Effekt zu erzielen, kommen Gelpräparate mit langkettigen Zuckermolekülen zum Einsatz, die aufgrund ihrer zähen Struktur vom Körper nur langsam abgebaut werden. Dennoch lässt die Wirkung der Hyaluronsäure in der Regel nach etwa drei bis sechs Monaten allmählich nach.

Den wichtigsten Einsatz in der Schönheitsmedizin findet die Hyaluronäure als Wirkstoff für Faltenunterspritzungen. Dabei wird das gelförmige Präparat direkt in die Lederhaut injiziert und sorgt für ein deutlich sichtbares Sofortergebnis. Die Haut wirkt prall und frisch, schlaffe Gesichtskonturen können durch die gezielte Gabe der Hyaluronsäure wieder aufgebaut werden. Neben der Faltenunterspritzung werden spezielle Präparate auch zum Modellieren von Körper und Gesicht verwendet, um beispielsweise Lippen und Brüste zu vergrößern oder Unebenheiten der Hautoberfläche nach operativen Eingriffen und Verletzungen auszugleichen.

Nahrungsergänzung mit Hyaluronsäure

Als schmerzfreie Alternative zu Injektionen werden Kapseln beworben, die Hyaluronsäure enthalten und bei Gelenkserkrankungen ebenso deutliche Effekte zeigen sollen wie für die Beschaffenheit der Haut und des Bindegewebes. Solche Nahrungsergänzungsmittel unterliegen im Gegensatz zu medizinischen Präparaten nicht dem Arzneimittelgesetz. Dies bedeutet, dass kein Nachweis der Wirksamkeit erbracht werden muss. Studien belegen zwar, dass Hyaluronsäure auch durch eine orale Einnahme im Plasma nachweisbar ist, im Vergleich zu Injektionen jedoch in deutlich geringerer Konzentration. Mediziner bewerten die Einnahme von Hyaluronsäure daher als sinnlos.

Grundsätzlich gilt die Anwendung eines Nahrungsergänzungsmittels auf Basis dieses Saccharids als gesundheitlich unbedenklich. Konsumenten sollten allerdings immer darauf achten, dass die Kapseln nach EU-Richtlinien hergestellt wurden, um eine Verunreinigung mit potenziell allergenen Zusatzstoffen zu vermeiden. Vor allem bei Erzeugnissen aus dem asiatischen Raum treten vermehrt allergische Schocks auf.

Seltene Nebenwirkungen einer Einnahme hochwertiger Präparate aus der EU können allgemeines Unwohlsein, Unverträglichkeitsreaktionen und Fieber sein. Allerdings kommt es auch bei einer Anwendung von Kosmetika mit diesem Wirkstoff oft zu Nebenwirkungen in Form von Rötungen, die jedoch in der Regel nach wenigen Tagen wieder abklingen.

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