Graue Haare: Ursachen und mögliche Gegenmaßnahmen

    Graue Haare werden neben Falten der Haut als eindeutiges Zeichen des Alterungsprozesses wahrgenommen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die ersten grauen Strähnen von den Betroffenen oft als sehr belastend empfunden werden. Allerdings sind graue Haare nicht nur eine natürliche Begleiterscheinung des Alterns, sondern können auch bei jüngeren Menschen auftreten. Zu welchem Zeitpunkt sie sich erstmals bemerkbar machen, hängt maßgeblich von der genetischen Veranlagung ab. Auch bestimmte Lebensgewohnheiten können jedoch zu einem vorzeitigen Ergrauen beitragen oder diesem vorbeugen.

    Graue Haare sind eigentlich weiß

    Genau genommen ist die Annahme, die Haare würden mit der Zeit eine graue Farbe annehmen, falsch. Der graue Eindruck entsteht nämlich nicht durch einzelne Haare, sondern durch die Mischung, die sich aus den in der Naturfarbe pigmentierten sowie weißen Haaren ergibt. Die Haare ergrauen nicht, sondern verlieren gänzlich ihre Farbe. Bei jedem Menschen ist die individuelle Färbung der Haare genetisch festgelegt und wird durch die Produktion des Farbstoffs Melanin in den Haarfollikeln bestimmt. Wissenschaftler unterscheiden zwischen zwei Arten von Melanin, die die Farbe der Haare maßgeblich prägen. Bei Menschen mit braunen oder schwarzen Haaren ist Eumelanin vorherrschend, bei blonden, goldenen und rötlichen Typen das sogenannte Phäomelanin.

    Das Melanin wird in den Melanozyten, den in den Haarfollikeln gelegenen Pigmentzellen gebildet. Durch verschiedene Einflüsse – hauptsächlich genetischer Natur – kommt es in den Melanozyten zu einer verminderten Bildung des Farbstoffs. Dieser Prozess führt zu einer kontinuierlichen Depigmentierung der Haare. Die Weißfärbung, die fälschlicherweise als Grau wahrgenommen wird, entsteht dadurch, dass sich in den Haaren, genauer gesagt in der Keratinschicht des Haarschaftes, statt Melanin kleinste Luftbläschen einlagern. Diese Luftbläschen verleihen den betroffenen Haaren ihr farbloses beziehungsweise weißes Aussehen.

    Ursache für die Weißfärbung des Haares

    Wie bereits erwähnt, liegen dem Prozess der Depigmentierung der Haare in erster Linie genetische Einflüsse zugrunde. Im Jahr 2016 ist es Wissenschaftlern gelungen, das dafür verantwortliche Gen zu definieren. Am University College in London fanden die Forscher im Rahmen von Studien an über sechstausend Teilnehmern heraus, dass es sich dabei um die Genvariante IRF4 handelt. Träger dieses Gens haben eine Veranlagung dazu, früher weiße Haare zu bekommen, wobei es sich bei diesen hauptsächlich um Menschen mit europäischen Wurzeln handelt. Das Gen bestimmt, in welchem Lebensalter und in welchem Ausmaß die Weißfärbung des Haares beginnt und der betroffene Mensch diese als Ergrauungsprozess wahrnimmt. Oft genügt bereits ein Blick auf das Haar der Eltern und Großeltern, um abschätzen zu können, wie sich die farbliche Entwicklung des eigenen Haares gestalten wird.

    Auch wenn die Wissenschaftler aufgrund Entdeckung der Genvariante IRF4 darauf hoffen, durch neue Methoden in die Depigmentierung im Inneren der Haarfollikel eingreifen zu können, sind dies Zukunftsvisionen. Alle bis heute zur Verfügung stehenden Maßnahmen, um einem Ergrauen der Haare entgegenzuwirken, sind rein kosmetischer Natur. Allerdings ist erwiesen, dass bestimmte Lebensumstände die DNA eines Menschen verändern können, was sich unter anderem auch auf die Weißfärbung der Haare auswirken kann. Durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren wird die Melaninproduktion in den Haarfollikeln beeinflusst. Verschiedene Lebensgewohnheiten bestimmen daher ebenfalls, ob weiße Haare schon in jüngeren Haaren entstehen oder ein Mensch noch im Alter von sechzig Jahren kaum ergraut wirkt.

    Mögliche Einflüsse, die die Haarfarbe verändern können

    Die meisten Menschen mit europäischen Wurzeln stellen spätestens im fünften oder sechsten Lebensjahrzehnt fest, dass graue Strähnen die Erscheinung verändern. Diese gänzlich natürliche Entwicklung ist Teil des Alterungsvorgangs und lässt sich weder umkehren noch aufhalten. Es ist jedoch durchaus normal, dass schon Dreißigjährige vereinzelt weiße Haare an sich entdecken. Es kommt auch häufig vor, dass Menschen bereits ab einem Alter von zwanzig Jahren graue Schläfen oder Strähnen entwickeln. Dies ist einerseits von genetischen Faktoren bestimmt, kann andererseits aber auch durch einen ungünstigen Lebenswandel entstehen oder tritt als Anzeichen für eine Erkrankung oder körperliche Störung auf.

    Menschen, die an Krebs oder einer schweren Infektion erkranken, können frühzeitig ergrauen. Auch erhebliche hormonelle Störungen können sich unter anderem auch darin äußern, dass die Melaninproduktion in den Haarfollikeln bereits in jüngeren Jahren nachlässt. Ein langfristiger erheblicher Nährstoffmangel kann ebenfalls zu einer Depigmentierung der Haare führen, da die Zellen der Haarwurzeln für die Produktion des Melanins verschiedene Proteine benötigen.

    Werden dem Körper über einen langen Zeitraum bestimmte Nährstoffe nicht in ausreichenden Mengen zugeführt, kann dies deren Proteinbiosynthese stören. Es ist darüber hinaus möglich, dass die Einnahme bestimmter Medikamente die Aktivität der Melanozyten vorübergehend reduziert. Vor allem Hydroxychloroquin, ein in Immunsuppressiva und Arzneistoffen zur Behandlung von Malaria eingesetzter Wirkstoff führt zu einem Ergrauen der Haare. Wird das entsprechende Medikament abgesetzt, nehmen die Melanozyten ihre Funktion wieder auf, wodurch die Haare allmählich ihre ursprüngliche Farbe annehmen.

    Emotionale Ausnahmesituationen und eine hohe Stressbelastung werden oft mit vorzeitig grauen Haaren in Verbindung gebracht. Tatsächlich können Menschen, die trauern, großen Kummer ertragen müssen oder beruflich überfordert sind, frühzeitig graue Haare bekommen. Allerdings ist es nicht möglich, innerhalb weniger Tage und Wochen oder gar plötzlich über Nacht zu ergrauen, da die Pigmente nicht innerhalb kurzer Zeit verloren gehen, sondern über einen längeren Zeitraum kontinuierlich weniger werden.

    Chronischer Stress führt aufgrund der vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen zu einer erhöhten Freisetzung von freien Radikalen. Diese greifen in die natürlichen Stoffwechselprozesse der Zellen ein und können deren Regenerationsfähigkeit negativ beeinflussen. Auch die Melanozyten werden von diesen aggressiven Molekülen angegriffen und in ihrer natürlichen Funktion eingeschränkt. Freie Radikale werden im Körper auch gebildet, wenn die Haut zu starker UV-Einstrahlung ausgesetzt wird. Rauchen, hoher Alkoholkonsum und die Einwirkung von Chemikalien und synthetischen Inhaltsstoffen in Haarpflegeprodukten können sich ebenfalls negativ auf die Melaninproduktion in den Haarfollikeln auswirken. Die frühzeitige farbliche Veränderung der Haare wird daher durchaus auch durch einen ungesunden Lebenswandel begünstigt.

    Ernährungswissenschaftler und ganzheitliche Mediziner bringen den Ergrauungsprozess der Haare auch mit einer chronischen Übersäuerung in Verbindung. Fehlen dem Körper über lange Zeit lebensnotwendige Mineralstoffe, hat dieser Mangel negative Auswirkungen auf die Zellfunktionen. Eine frühzeitige Weißfärbung der Haare ist daher aus ganzheitlicher Sicht als Warnsignal des Körpers zu deuten.

    Maßnahmen gegen graue Haare

    Aufgrund des genetischen Einflusses stehen keine wirksamen Maßnahmen zur Verfügung, um dem natürlichen Melaninabbau in der Keratinschicht des Haares vorzubeugen. Allerdings kann ein gesunder Lebensstil wesentlich dazu beitragen, die Zellen vor der Einwirkung freier Radikale zu schützen und dadurch deren Aktivität länger zu erhalten. Eine basenüberschüssige Ernährung gilt als wichtige Maßnahme, um das Erscheinungsbild der Haare und Haut langfristig positiv zu beeinflussen. Dem Verzicht auf Nikotin, reduzierten Genuss von Alkohol, Süßigkeiten und Produkten aus Auszugsmehlen, dem ausreichendem Schutz vor starker Sonneneinstrahlung sowie Sport und anderen Maßnahmen zum Stressabbau kommt in diesem Zusammenhang ebenfalls eine große Bedeutung zu.

    Um graue Haare zu verstecken, stehen verschiedene Färbemittel zur Verfügung. Ziel sollte bei der Anwendung solcher Produkte immer sein, die natürliche Leuchtkraft der Haare zu erhalten. Da weiße Haare Färbungen und Tönungen stärker aufnehmen als natürlich pigmentierte, sind hellere Nuancen immer die bessere Wahl. Besonders helle Strähnen oder Naturreflexe sorgen für ein harmonisches Erscheinungsbild, ohne den Typ zu stark zu verändern. Helle und dunkle Rottöne hingegen führen an grauen Schläfen oft zu knalligen oder fleckigen Ergebnissen und sollten daher gemieden werden.

    Neben synthetischen dauerhaften Colorationen und Tönungen stehen auch biologische Naturfarben zur Verfügung. Diese sind vor allem dann empfehlenswert, wenn die naturgemäß spröderen und dünneren weißen Haare sehr strapaziert sind. Haarfarben auf Pflanzenbasis sind die ideale Wahl, wenn durch die Grauabdeckung nur ein Farbunterschied von wenigen Nuancen erzielt werden soll. Solche Präparate dringen im Gegensatz zu den aggressiven Inhaltsstoffen in chemischen Färbemitteln nicht schädigend in die Keratinschicht des Haares ein. Pflanzliche Wirkstoffe legen sich schützend um die Hornschicht und entfalten dadurch einen stärkenden Effekt. Dünne oder trockene graue Haare wirken dadurch wieder glänzend, gekräftigt und geschmeidig.

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